Als die russisch-amerikanischen Verhandlungen in Riad im Februar 2025 zu Ende gingen, reiste Kirill Dmitrijew nicht mit allen anderen ab. Er blieb zu einem gesonderten Treffen mit Kronprinz Mohammed bin Salman. Für die übrigen Mitglieder der russischen Delegation war der Gastgeber des Gipfels Vermittler und empfangende Seite; für Dmitrijew war er ein Mann, den er seit vielen Jahren kannte und Dutzende Male getroffen hatte.
Diese Geschichte begann, als die Welt um Russland herum noch ganz anders aussah. Bereits 2013 legte der RDIF mit dem emiratischen Mubadala einen gemeinsamen Investitionsfonds über 2 Milliarden Dollar auf, während die Finanzbehörden von Abu Dhabi bis zu 5 Milliarden für russische Infrastruktur in Aussicht stellten. Im eigenen Bericht des RDIF für jenes Jahr standen mehr als 7 Milliarden Dollar an eingeworbenen Mitteln aus dem Nahen Osten. Dann kam ein gemeinsamer Mechanismus mit Katar, und 2015 verpflichtete sich der saudische Public Investment Fund, bis zu 10 Milliarden Dollar in russische Projekte zu stecken. Damals sah das alles nach ganz gewöhnlicher Jagd auf das riesige Ölgeld des Golfs aus.
Als Geografie zur Politik wurde
Nach der Krim begann das westliche Kapital abzuziehen, und die Geografie des RDIF wurde unmerklich zur Politik. Mehrere einflussreiche amerikanische Finanziers verließen die Beratungsgremien des Fonds; die Kontakte zu den Golfmonarchien gewannen dagegen nur an Gewicht. Bis 2022 hielten die Staatsfonds des Nahen Ostens nach Zahlen von Global SWF, die die Financial Times anführt, mehr als zwei Drittel der Anlagen ausländischer Staaten in Russland. Ein früherer Mitarbeiter des RDIF formulierte Dmitrijews Stellung noch schlichter: in saudischer Richtung war er stets „die Nummer eins“.
Der Golf erwies sich überhaupt als nahezu ideales Terrain für seinen Beruf. In Washington leben ein Investmentfonds und das State Department in verschiedenen institutionellen Welten. In Riad oder Abu Dhabi ist die Grenze weit dünner. Ein Staatsfonds verfügt über Hunderte Milliarden Dollar und dient zugleich als Instrument staatlicher Strategie, und wer über eine Investition entscheidet, kann wenige Schritte von dem entfernt stehen, der über die Außenpolitik entscheidet. Manchmal ist es derselbe Kreis von Leuten. Dmitrijew musste sich nicht vom Finanzier zum Vermittler umschulen lassen. Die Politik kam von selbst dorthin, wo er sich seit vielen Jahren mit Geld beschäftigte.
Ein Lehrer kommt nach Hause
Die Wende lässt sich an der Geschichte des Amerikaners Marc Fogel gut ablesen. Im Februar 2025 wurde der in Russland verurteilte Lehrer freigelassen und nach Hause geschickt. Eine Quelle von Reuters berichtete, an den Verhandlungen seien Mohammed bin Salman und Dmitrijew beteiligt gewesen. Steve Witkoff erzählte später öffentlich, der Kontakt auf russischer Seite sei über einen gewissen „Kirill“ gelaufen, und die Saudis hätten die Amerikaner davon überzeugt, dass das Angebot ernst gemeint sei. Danach flog Witkoff nach Moskau. Wenige Tage später saßen in eben jenem Riad bereits offizielle Delegationen Russlands und der USA.
Ein Zufall ist hier schwer zu finden. Saudi-Arabien konnte gleichzeitig mit Moskau und mit Washington sprechen, gerade weil es nicht vorhatte, zwischen beiden zu wählen. Es kauft amerikanische Waffen, empfängt US-Präsidenten, konkurriert mit Russland auf dem Ölmarkt und einigt sich mit ihm in der OPEC+. Für Moskau ist eine solche Bühne wertvoller als die Hauptstadt eines befreundeten Staates.
Dmitrijew baute dieses Netz über mehr als zehn Jahre auf, anfangs ganz buchstäblich in Geldeinheiten. Selbst nach Kriegsbeginn riss die Verbindung nicht ab: Im April 2025 vereinbarten Russland und Katar, ihrer bestehenden gemeinsamen Investitionsplattform von beiden Seiten je eine weitere Milliarde Euro hinzuzufügen. Wo westliche Fonds ihre russischen Positionen schließen mussten, blieben Dmitrijew Partner, denen es vertrauter ist, gleichzeitig in mehreren politischen Welten zu leben.
Drei Ufer
Jahrzehntelang war das erste Ufer Russlands der Westen. Dort lagen die wichtigsten Kapitalmärkte, die Technologien, die größten Partner und jenes Koordinatensystem selbst, an dem Moskau seine Beziehungen zur Außenwelt ausrichtete. Nach 2022 schnitten die Sanktionen dieses Ufer beinahe ab. Das zweite wurde China: ein riesiger Markt, ein politischer Partner und die wichtigste östliche Route der russischen Wirtschaft. Doch je stärker sich Moskau nach Peking wandte, desto offensichtlicher wurde ein anderes Problem — eine zu große Abhängigkeit von einem einzigen Partner sieht selbst schon wenig nach Handlungsfreiheit aus.
Saudi-Arabien, die Emirate und Katar verlangen von Moskau keine Wahl zwischen Osten und Westen, weil sie selbst diese Wahl nicht treffen. Sie handeln mit China, investieren in den USA, verständigen sich mit Russland über Öl und empfangen bei sich amerikanische Unterhändler. Für Moskau ist das ein seltenes Terrain, auf dem sich zugleich Geld, politische Vermittlung und ein Zugang zu jenen Leuten suchen lässt, die in Washington noch immer den Hörer abnehmen. Eben deshalb erwies sich Dmitrijews altes Investitionsnetz mit der Zeit als wertvoller denn ein gewöhnliches Portfolio von Geschäften.
Der Vermögenswert, der für etwas anderes gekauft wurde
In diesem Sinne hatte er Glück mit seinem Beruf — aber erst nach vielen Jahren Arbeit. Er reiste nach Abu Dhabi, Doha und Riad schon zu einer Zeit, als das Hauptziel noch darin bestand, die dortigen Fonds zu Investitionen in russische Infrastruktur, Medizin oder Industrie zu bewegen. Dann machten Sanktionen aus Investoren Partner, die OPEC+ machte aus der Bekanntschaft mit den Saudis eine staatliche Ressource, und die Rückkehr Trumps machte aus dem alten Netz eine der Routen zurück nach Washington.
Im Bericht des RDIF für 2013 füllten diese Beziehungen Seiten mit Tabellen unter der Überschrift Middle East Investment Cooperation. Zwölf Jahre später flog ein amerikanischer Sondergesandter durch dieselbe Geografie nach Moskau, und russische und amerikanische Beamte trafen sich in Riad.
Ein guter Investor verdient bisweilen am meisten an einem Vermögenswert, den er einst zu einem ganz anderen Zweck erworben hat. Bei Dmitrijew erwies sich dieser Vermögenswert als ein Telefonbuch — jenes, das für Russland ein drittes Ufer der Außenpolitik schuf.